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Knochenleim, Kasein, Kleister – Anwendung und Eigenschaften alter Leime
Unter dem Begriff Leim wurde früher eine Vielzahl von Materialien zusammen gefasst, welche die bekannten klebenden Substanzen sowie kuriose Randbereiche des Klebens (Judenleim als Synonym für Asphalt, Goldleim als Synonym von Malachit) beinhalten. Leim wird schon sehr lange benutzt, so wurde für das Bett der Ehefrau Tut-Anch-Amuns einFurnier aufgeleimt. Das römische Militär benutzte Schilde, welche aus kreuzförmig verleimten Furnieren bestand, ähnlich unseren heutigen Furnierplatten. Erst in der Renaissance wird durch die Einführung von Furnier und anderer Holzverbindungen der Leim wichtig. Die traditionellen Leime bestehen aus stickstoffhaltigen, tierischen Verbindungen, welche in kaltem Wasser unlöslich sind, aber darin quellen. Erst durch das anschließende Erwärmen (deshalb Warmleim) werden sie löslich und entwickeln ihre Klebkraft. Beim Erkalten gelieren sie zu einer elastischen Masse, der Gallerte. Als einziger der ehemals vielen Vertreter ist zumeist nur noch die Gelatine bekannt. Bei Gelatine liegt die gleiche hoch gereinigte Substanz vor, welche hautsächlich aus Glutin besteht und Namensgeber für die ganze Gruppe der Glutinleime ist. Bei Gelatine wird hauptsächlich auf Gelierfähigkeit geachtet, bei den Leimen auf die Klebekraft. Bei der Bezeichnung wird einerseits das Rohprodukt wie bei Knochen-, Haut- oder Lederleim herangezogen. Andererseits werden die Handelsform wie Leimperlen, Leimpulver oder Tafelleim sowie Qualitätsbezeichnungen wie Kölner Leim (für hellgelben klaren Leim) oder Schottischer Leim bzw. Anwendungsgebiete wie Tischlerleim (colle forte, glue) benutzt.
Herstellung von Glutinleimen
Wenn Leim aus Haut und hautartigen Teilen gewonnen wird handelt es sich um das sogenannte Kollagen, bei der Gewinnung aus Knochen ist es das Ossein und bei Knorpeln nennt man das entstehende Produkt Chondrin, welches aber aufgrund der geringen Klebkraft nicht zum Einsatz kam. Als Rohstoffe kommen Lederabfälle, Knochen, Sehnen, Abfälle von Kaninchenfellen, Fischabfälle und Schwimmblasen verschiedener Fische in Betracht. Die besten Leimsorten wurden aus Pergamentabfällen, Handschuhleder und Häuten, der gewöhnliche Leim aus Sehnen, Flechsen und ab ca. 1800 auch aus Knochen hergestellt. Die Leimausbeute betrug zwischen 18 % (Sehnen) bis 60 % (Häute).
Bei dem Knochenleim, welcher um 1800 entwickelt und besonders im 19. Jahrhundert verwendet wurde, gibt es zwei Herstellungsmethoden. Entweder werden die Knochen mit Salzsäure entkalkt und dann ausgekocht oder die Knochen werden gedämpft (Hochdruckdampf in einer Art Schnellkochtopf, Papinianischer Topf genannt) und der Leim mit Wasser ausgezogen. Bei dem Säureverfahren wird das Calciumphosphat herausgelöst (dient als Futterkalk) und es bleibt eine Art Knorpel zurück, welcher nach dem Waschen mit Wasser zu Leim verkocht wird. Bei Bedarf kann zuvor auch das Fett durch Benzin oder Kalk herausgelöst werden, wodurch die Säurewirkung schneller einsetzt. Reste von Phosphorkalk geben diesem Leim ein milchiges Aussehen. Beim Dämpfverfahren werden die zerkleinerten Knochen entfettet, gereinigt, durch Dämpfen ausgelaugt, die Leimbrühe gefiltert, eingedampft, erstarren gelassen, mit einem Draht in Scheiben geschnitten und getrocknet. Durch das Dämpfen verliert der Leim etwas an Bindekraft. Ein Zusatz von schwefliger Säure, während der verschiedenen Verarbeitungsschritte, schützt vor Fäulnis und bleicht genauso wie Wasserstoffsuperoxid, welches ebenfalls zugesetzt wurde. Um den beliebten klaren Leim zu erhalten wurden u.a. Eichenrinde, Sumach und Albumin eingesetzt, welche Schwebstoffe binden. Die Trocknung der gelierten Masse erfolgt auf Netzen (öfters Wenden, damit die Tafeln nicht ankleben), welche das typische Muster in den Leimtafeln ergeben. Leimperlen entstehen beim Eintropfen von Leimlösung in Benzin und diese lassen sich wieder schneller auflösen als die Leimtafeln.
Das Säureverfahren für die Knochenleimherstellung scheint um 1818/20 eingeführt worden zu sein (vgl. Leuchs 1826). Früher wurde in Fäulnis übergehende Produkte gerne verwendet, weil man Ihnen helleren und besseren (wohl weicheren) Leim nachsagte. Diese Praxis wurde aber schon um 1000 wegen der starken Geruchsbelästigung verboten.
Knochenleim war als gewöhnlicher Tischlerleim oder auch unter dem Namen Hornleim im Handel. Er wurde nach der Helligkeit in drei Klassen eingeteilt, dem hellsten oder feinen, dem mittleren und dem dunklen oder schwarzen ordinären.
In Deutschland gab es Leimsiedereien in Reutlingen, Crailsheim, Heilbronn, Nördlingen, Nürnberg, Ansbach, Köln, Merseburg.
Gewöhnlicher Leim war unter dem Namen Glutinum, Gluten, Colla, Colla taurins, franz. Colleforte, Colle de Taurau im Handel.
Zusammenstellung der Information: Matthias Stappel, Laubweg 5, 61267 Neu-Anspach
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